Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen

Die Weltwirtschaft erlebte Ende 2008 bis in die erste Hälfte des Jahres 2009 hinein den schwersten konjunkturellen Einbruch der Nachkriegszeit. Nachdem im ersten Quartal 2009 der Höhepunkt der Finanzmarktkrise erreicht war, stabilisierte sich die Weltwirtschaft in der zweiten Jahreshälfte und befindet sich nun in einer Erholungsphase.

Die Erholung lässt sich vor allem auf vier Einflussfaktoren zurückführen:

  • expansive Geldpolitik der Notenbanken
  • staatliche Konjunkturprogramme in einer Vielzahl von Ländern
  • relative Robustheit der Schwellenländer
  • vergleichsweise niedriger Ölpreis in der ersten Hälfte des Jahres 2009

Das globale BIP sank im Jahr 2009 um 1,1 % gegenüber dem Vorjahr. Dabei konnten die Schwellen- und Entwicklungsländer mit einer Zuwachsrate von
1,7 % noch eine leicht positive Entwicklung aufweisen. Die Industrieländer zeigten sich mit einem Rückgang von 3,4 % deutlich anfälliger.

Anteil führender Wirtschaftsnationen am weltweiten BIP


in % 2008 2007
Quellen: IWF, World Economic Outlook 2009, 2008
USA 20,6 21,3
China 11,4 10,8
Japan 6,3 6,6
Indien 4,8 4,6
Deutschland 4,2 4,3
Russland 3,3 3,2

in % 2008 2007
Quellen: IWF, World Economic Outlook 2009, 2008
USA 20,6 21,3
China 11,4 10,8
Japan 6,3 6,6
Indien 4,8 4,6
Deutschland 4,2 4,3
Russland 3,3 3,2

Europa

Nach dem starken Einbruch zu Beginn des Jahres 2009 stabilisierte sich die konjunkturelle Situation im Euro-Raum zur Jahresmitte und zog im dritten Quartal wieder leicht an. Im Gesamtjahr 2009 ist das BIP im Euro-Raum um insgesamt 3,9 % zurückgegangen (2008: +0,6 %). Besonders ausgeprägt war der Einbruch beim Export mit minus 13,6 %. Die privaten Konsumausgaben hingegen sind nur um 1,0 % gesunken. In fast allen Ländern wirkte sich die Wirtschaftskrise spürbar auf den Arbeitsmarkt aus. Besonders stark stiegen dabei die Arbeitslosenzahlen in den Ländern, die zuvor einen Immobilienboom erlebt hatten, wie Spanien und Irland.

Um der weiterhin angespannten Lage auf den Finanzmärkten Rechnung zu tragen, hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins innerhalb von sieben Monaten von 4,25 % auf den bisher niedrigsten Stand von 1,0 % gesenkt. Weiterhin kam es zu einem rapiden Preisverfall bei Rohstoffen. So lag der Rohölpreis je Barrel im Jahr 2009 im Durchschnitt um 36,76 US$ unter dem entsprechenden Vorjahreswert von 97,27 US$.

In Deutschland führte die weltweite Nachfrageschwäche zu Jahresbeginn 2009 zu einem historisch einmaligen Rückgang der Exporte. Mit fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen sowie stabilisierenden Arbeitsmarktprogrammen konnte jedoch ein noch tieferer Einbruch verhindert werden. So hat die Bundesregierung zwei Konjunkturprogramme mit einem Umfang von insgesamt rund 84 Mrd € – über 3 % gemessen am BIP 2008 – für die Jahre 2009 und 2010 aufgelegt. Zur Stabilität des Arbeitsmarktes trugen vor allem die Einführung von Kurzarbeit und die höhere Flexibilität bei den tarifvertraglichen Regelungen bei. Insgesamt ist das BIP in Deutschland im Jahr 2009 um 4,9 % zurückgegangen (2008: +1,4 %).

Auch in den Ländern Mittel- und Osteuropas hat die Finanzkrise tiefe Spuren hinterlassen: Sie verzeichneten einen deutlichen Rückgang der Industrieproduktion und der Exporte, da die Nachfrage aus den Ländern des Euro-Raums spürbar nachließ. Speziell die osteuropäischen Länder, die in den Jahren zuvor große Leistungsbilanzdefizite angehäuft hatten, wurden aufgrund der abrupten Verschlechterung der Refinanzierungsbedingungen sowie der sich umkehrenden Kapitalströme in eine tiefe Rezession gestürzt.

USA

In den USA verlangsamte sich die konjunkturelle Abwärtsbewegung im ersten Halbjahr 2009 zunächst spürbar und verzeichnete in der zweiten Jahreshälfte eine deutlich positive Zuwachsrate beim BIP. Für das Gesamtjahr 2009 war das BIP um 2,4 % rückläufig (2008: +0,4 %). In der ersten Jahreshälfte kamen die stützenden konjunkturellen Impulse noch vom Außenbeitrag aufgrund der schneller als die Exporte sinkenden Importe. In der zweiten Jahreshälfte hingegen war der private Konsum wichtigste Antriebskraft. Darüber hinaus zog die Investitionstätigkeit wieder leicht an. Zu dieser Entwicklung trug insbesondere das US-Konjunkturprogramm „American Recovery and Reinvestment Act“ bei. Dafür wurden rund 940 Mrd US$ für die Jahre 2009 und 2010 bereitgestellt – über 6 % gemessen am BIP 2008. Daneben trug die zunehmende Entspannung an den Finanz- und Immobilienmärkten sowie die Aufhellung in der Außenwirtschaft zu einer Verbesserung der Situation bei. Trotz einer Stabilisierung der Preise war die Lage am Immobilienmarkt immer noch durch ein hohes Überangebot gekennzeichnet. Die Arbeitslosenquote stieg bis zum Jahresende 2009 auf 10,0 % und erreichte damit den höchsten Stand seit 26 Jahren.

Zudem wurde die Kreditvergabe in Folge der Bankenkrise stark eingeschränkt, und die Sparquote der privaten Haushalte erhöhte sich deutlich. Trotz der Belebung in der zweiten Jahreshälfte sind die privaten Konsumausgaben im Gesamtjahr 2009 um 0,8 % und damit stärker als im vorangegangenen Jahr geschrumpft. Der für die amerikanische Volkswirtschaft besonders wichtige private Konsum befand sich damit als Impulsgeber weiterhin in einer schwierigen Lage.

Asien

Die asiatischen Schwellenländer konnten nach dem unvermittelten Wegbrechen ihrer Exporte eine bemerkenswert schnelle Konjunkturwende einleiten. Das BIP in Asien (ohne Japan) ist im Jahr 2009 um 5,3 % gestiegen, was u. a. den positiven Entwicklungen in China zu verdanken ist. Somit bleibt Asien die dynamischste Region der Welt. Verglichen mit dem BIP-Wachstum zwischen 2004 und 2008 von durchschnittlich 8 %, in China sogar von 13,6 %, ist dieses Wachstum jedoch vergleichsweise niedrig. Auffällig an der aktuellen Lage in Asien ist das starke Konjunkturgefälle zwischen den Schwergewichten China und Indien auf der einen Seite – das BIP in China ist im Jahr 2009 um 8,4 % (2008: 9,0 %) und in Indien um 6,0 % (2008: 7,3 %) gewachsen. Andere Länder wie Taiwan, Malaysia, Hongkong und Singapur verzeichneten hingegen einen durchschnittlichen Rückgang von 2 %.

Flankiert von einem raschen Wiederaufleben der Kapitalzuflüsse stellten expansive Maßnahmen zur finanz- und geldpolitischen Konjunkturstützung die Basis für die Konjunkturerholung dar. So legte China ein Konjunkturpaket in Höhe von rund 590 Mrd US$ – oder 13 % des BIPs 2008 – für das Jahr 2009 und Folgejahre auf. Das Volumen vergleichbarer Maßnahmen in Indien und Indonesien war mit etwa 1 % und 1,5 % dagegen deutlich geringer. Auch die Kreditvergabe wurde durch eine Lockerung der Vergaberegelungen angekurbelt.

Indien spürte mit einem Anteil der Exporte am BIP von nur rund 20 % den einbrechenden Welthandel in deutlich geringerem Ausmaß. Die starke Binnenorientierung erwies sich daher als relative Stärke.

In Japan waren vor allem die Kernbereiche der Industrie – der Fahrzeug- und Maschinenbau sowie die Elektroindustrie – von den Folgen der Finanzkrise betroffen. Erst mit den Nachfrageimpulsen aus den asiatischen Schwellenländern, insbesondere China, schwenkte die japanische Wirtschaft ab dem zweiten Quartal 2009 wieder auf einen moderaten Erholungskurs ein. Doch konnte der starke Einbruch nicht wettgemacht werden, sodass das japanische BIP im Jahr 2009 um 5,6 % zurückging (2008: -0,7 %).

Lateinamerika

Die meisten Länder Lateinamerikas haben die globale Konjunkturschwäche bereits im zweiten Quartal 2009 überwunden und danach eine relativ schnelle Erholung eingeleitet. Neben einer guten regionalen Nachfrage profitierte Lateinamerika von der relativen Robustheit des Finanzsektors und somit von einer geringeren Abhängigkeit von Auslandskapital als beispielsweise Europa. Bedeutendste Antriebskräfte blieben auch weiterhin die Rohstoff- und Lebensmittelexporte. Insgesamt ging das BIP der Region im Jahr 2009 um
2,8 % zurück (2008: +4,3 %).

Am schwersten von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise getroffen war Mexiko aufgrund der starken Handelsverflechtungen mit den USA. Das BIP war mit 6,8 % rückläufig (2008: +1,8 %).

Nach Mexiko verzeichnete Argentinien mit 3,3 % den größten Rückgang beim BIP. Das Land war besonders von der weltweiten Finanzkrise betroffen und spürte – wie andere Länder mit schlechtem Kreditrating auch – die gestiegene Risikoaversion der Investoren. Zudem erlaubt das politische Klima in Argentinien der Regierung nicht, große wirtschaftspolitische Reformen durchzuführen.

In Brasilien schwächte sich die Konjunkturentwicklung zwar merklich ab, wurde jedoch von einer robusten Binnenkonjunktur und einer breiten regionalen und sektoralen Diversifikation seiner Exporte gestützt. Im Jahr 2009 sank das brasilianische BIP um 0,3 %.

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