Branchenspezifische Rahmenbedingungen

Der Gesundheitssektor blieb im Jahr 2009 trotz eines allgemein schwierigen Marktumfeldes einer der stabilsten Wirtschaftssektoren und zeichnete sich – im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen – durch eine geringe Abhängigkeit von konjunkturellen Schwankungen aus.

Wesentliche Wachstumsfaktoren für diesen Markt sind

  • zunehmender Bedarf an medizinischer Behandlung, den eine älter werdende Gesellschaft mit sich bringt,
  • steigende Nachfrage nach innovativen Produkten und Therapien,
  • medizintechnischer Fortschritt,
  • zunehmendes Gesundheitsbewusstsein, das zu einem steigenden Bedarf an Gesundheitsleistungen und -einrichtungen führt.

In den Schwellenländern sind die Triebfedern darüber hinaus

  • stetig zunehmende Zugangsmöglichkeiten und steigende Nachfrage nach medizinischer Basisversorgung,
  • steigendes Volkseinkommen und damit verbundene höhere Ausgaben für Gesundheit.

Gleichzeitig steigen die Kosten der gesundheitlichen Versorgung und bilden einen immer höheren Anteil am Volkseinkommen. Im Durchschnitt beliefen sich die Gesamtausgaben für Gesundheit der OECD-Länder im Jahr 2007 auf 8,9 % des BIPs. Die Pro-Kopf-Ausgaben für Gesundheit betrugen durchschnittlich 2.964 US$. Die höchsten Ausgaben pro Kopf verzeichneten die USA mit 7.290 US$, gefolgt von Norwegen, der Schweiz und Luxemburg mit über 4.000 US$. Deutschland rangiert mit 3.588 US$ an zehnter Stelle der OECD-Länder.

Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP


in % 2007 2000 1990 1980 1970
Quelle: OECD Health Data 2009
USA 16,0 13,6 12,2 9,0 7,1
Frankreich 11,0 10,1 8,4 7,0 5,4
Schweiz 10,8 10,2 8,2 7,3 5,4
Deutschland 10,4 10,3 8,3 8,4 6,0

in % 2007 2000 1990 1980 1970
Quelle: OECD Health Data 2009
USA 16,0 13,6 12,2 9,0 7,1
Frankreich 11,0 10,1 8,4 7,0 5,4
Schweiz 10,8 10,2 8,2 7,3 5,4
Deutschland 10,4 10,3 8,3 8,4 6,0

Die durchschnittliche Zuwachsrate bei den Gesundheitsausgaben lag in den OECD-Ländern zwischen 2000 und 2007 bei 3,7 % jährlich. In Deutschland sind die Gesundheitsausgaben im gleichen Zeitraum um durchschnittlich 1,4 % pro Jahr gestiegen. Verglichen mit allen anderen OECD-Ländern ist dies der geringste Anstieg. Das relativ langsame Wachstum der Gesundheitsausgaben in Deutschland ist teilweise auf Kostendämpfungsmaßnahmen der vergangenen Gesundheitsreformen zurückzuführen.

Die Gesundheitsausgaben der OECD-Länder wurden durchschnittlich zu 73,0 % aus öffentlichen Mitteln finanziert, mit Ausnahme der Vereinigten Staaten und Mexiko. Hier lag der Anteil des öffentlichen Sektors bei 45,4 % bzw. 45,2 % im Jahr 2007. In Deutschland lag der öffentliche Anteil im Jahr 2007 bei 76,9 %.

In den meisten OECD-Ländern hat sich die Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten dank besserer Lebensbedingungen, intensiverer Gesundheitsvorsorge sowie durch Fortschritte bei der medizinischen Versorgung erhöht. Im Jahr 2006 betrug die Lebenserwartung im Durchschnitt 79 Jahre. In Deutschland lag die Lebenserwartung mit 79,8 Jahren um nahezu ein Jahr über diesem Durchschnitt. Von allen OECD Ländern ist die Lebenserwartung in Japan mit 82,6 Jahren am höchsten.

Um den stetig steigenden Ausgaben im Gesundheitswesen zu begegnen, werden in erster Linie Reformen und Kostendämpfungsmaßnahmen durchgeführt. Zunehmend werden überholte Versorgungsstrukturen auf den Prüfstand gestellt und marktwirtschaftliche Elemente in das Gesundheitswesen eingeführt. Ziel ist es, neue Anreize für kosten und qualitätsbewusstes Handeln zu schaffen. Die Qualität der Behandlung trägt entscheidend dazu bei, dass medizinische Resultate optimiert und die Behandlungskosten insgesamt reduziert werden können. Darüber hinaus gewinnen Gesundheitsprogramme zur Prophylaxe an Bedeutung ebenso wie innovative Vergütungsmodelle, in denen die Qualität der Behandlung den zentralen Bezugswert darstellt.

In unserem größten Einzelmarkt, USA, hat die Regierung die Gesundheitsreform zur politischen Priorität erklärt. Über 45 Millionen Unversicherten – das ist jeder achte US-Bürger – soll eine Basisversorgung ermöglicht werden. Derzeit werden über die staatlichen Gesundheitsfürsorgeprogramme Medicare und Medicaid vor allem Rentner sowie ärmere Menschen versichert.

Im Folgenden werden die Entwicklungen in unseren wichtigsten Märkten näher erläutert:

Der Dialysemarkt

Der Wert des weltweiten Dialysemarktes betrug im Jahr 2009 rund 65 Mrd US$. Circa 55 Mrd US$ entfielen auf Dialysedienstleistungen (inklusive Dialysemedikamente), rund 10,5 Mrd US$ auf Dialyseprodukte.

Die Zahl der Dialysepatienten stieg weltweit um circa 6 % auf 1,9 Millionen. Die regionale Aufteilung zeigt folgendes Bild:

Die Prävalenz, also die relative Zahl der an terminaler Niereninsuffizienz erkrankten und behandelten Menschen pro Million Einwohner, ist regional sehr unterschiedlich und weist eine Schwankungsbreite von weit unter 100 bis über 2.000 Patienten pro Million Einwohner (P.M.E.) auf. Die höchste Prävalenz mit einem Wert von 2.560 P.M.E. hat Taiwan, gefolgt von Japan mit 2.430 P.M.E. und den USA mit rund 1.830 P.M.E. In den 27 Ländern der Europäischen Union liegt dieser Wert im Durchschnitt bei rund 1.000. Die weitaus geringere durchschnittliche Welt-Prävalenz von rund 360 P.M.E. lässt sich zum einen durch Unterschiede in der Altersstruktur und in den Risikofaktoren der jeweiligen Bevölkerung erklären, z. B. von Erkrankungen, die die Nieren schädigen, wie Diabetes und Bluthochdruck, sowie durch genetische Disposition und kulturelle Unterschiede in der Ernährung. Zum anderen ist der Zugang zu Dialysebehandlungen in vielen Ländern so begrenzt, dass viele Menschen mit terminaler Niereninsuffizienz nicht behandelt werden können und deshalb auch nicht in der Prävalenzrechnung erfasst sind. Ein Vergleich der jeweiligen Wirtschaftskraft eines Landes mit seinen Prävalenzwerten zeigt, dass vor allem in Ländern mit einem jährlichen Pro-Kopf-BIP von weniger als 10.000 US$ nicht jeder Erkrankte Zugang zu einer Behandlung hat. Insgesamt zeigt die steigende weltweite Prävalenz jedoch, dass immer mehr Menschen eine Nierenersatztherapie erhalten.

Dialysedienstleistungen

Von den 1,9 Millionen Patienten, die im Jahr 2009 eine regelmäßige Behandlung erhielten, unterzogen sich mehr als 89 % der Hämodialyse. Rund 11 % haben sich für eine Peritonealdialyse entschieden. Die überwiegende Mehrheit der Hämodialysepatienten wurde in einer der weltweit rund 29.000 Dialysekliniken versorgt, die im Durchschnitt jeweils 65 Hämodialysepatienten betreuen.

Je nachdem, ob die Gesundheitssysteme in den einzelnen Ländern eher staatlich oder privatwirtschaftlich organisiert sind, unterscheiden sich die Organisationsstrukturen erheblich: So werden in den USA die meisten der rund 5.000 Dialysekliniken privat betrieben und nur etwa 1 % staatlich. In der Europäischen Union hingegen werden rund 61 % der circa 5.000 Dialysekliniken von der öffentlichen Hand geführt. In Japan liegt der Anteil der von privaten Nephrologen betriebenen Dialysekliniken bei etwa 80 %.

In den USA ist der Markt für Dialysedienstleistungen bereits stark konsolidiert: Fresenius Medical Care und der zweitgrößte Anbieter von Dialysedienstleistungen – DaVita – versorgen zusammen etwa 64 % aller US-amerikanischen Patienten. Im Jahr 2009 hat Fresenius Medical Care seine marktführende Position von circa 33 % behauptet.

Außerhalb der USA ist der Dialysedienstleistungsmarkt deutlich stärker fragmentiert. Hier konkurriert Fresenius Medical Care insbesondere mit unabhängigen Einzelkliniken und Kliniken, die Krankenhäusern angegliedert sind. Fresenius Medical Care betreibt 769 Dialysekliniken in 35 Ländern und behandelt über 63.000 Patienten. Damit verfügt das Unternehmen über das mit Abstand größte und internationalste Dialysenetzwerk.

Die Zahl der Peritonealdialysepatienten stieg im Jahr 2009 weltweit um mehr als 6 % auf rund 203.000. Fresenius Medical Care versorgt etwa 36.000 Patienten mit Peritonealdialyseprodukten und damit rund 17 % aller Patienten. In den USA belief sich der Anteil auf 31 %.

Die Vergütungssysteme für die Dialysebehandlung unterscheiden sich von Land zu Land, oft variieren sie sogar innerhalb einzelner Länder.

In den USA wird terminales Nierenversagen von den staatlichen Trägern erstattet. Die staatlichen Gesundheitsfürsorgeprogramme Centers for Medicare & Medicaid Services (CMS) stellen für mehr als 80 % der Dialysepatienten die medizinische Versorgung im Land sicher. Im Jahr 2009 resultierten 33 % des Umsatzes der Fresenius Medical Care aus Erstattungen des CMS. Änderungen in der Kostenerstattung oder in der Methodik der Kostenerstattung des CMS haben daher einen wichtigen Einfluss auf unser Geschäft in Nordamerika. Der Wettbewerb findet hier vor allem über die Qualität und Verfügbarkeit der Dienstleistungen statt.

Dialyseprodukte

Zu den wichtigsten Produkten im Dialysemarkt zählen Dialysatoren, Hämodialysegeräte, Konzentrate und Dialyselösungen sowie Produkte für die Peritonealdialyse. Fresenius Medical Care ist im Dialyseproduktgeschäft mit einem Marktanteil von rund 32 % weltweit das führende Unternehmen. Der Marktanteil der drei größten Hersteller liegt bei nahezu 70 %. Dialysatoren bilden mit Abstand die größte Produktgruppe. Das Marktvolumen belief sich im Jahr 2009 auf rund 190 Millionen Stück. Davon hat Fresenius Medical Care rund 85 Millionen Stück produziert. Von den etwa 65.000 neu in den Markt gebrachten Hämodialysegeräten stammen rund 55 % von Fresenius Medical Care. In den USA belief sich der Anteil der Fresenius Medical Care an diesen beiden Produktgruppen im unabhängigen Markt auf über 75 %. Als unabhängigen Markt definieren wir alle Dialysekliniken, die nicht von einem größeren Dialysedienstleistungsunternehmen wie Fresenius Medical Care oder DaVita betrieben werden.

Der Markt für Infusions- und Ernährungstherapien, I.V.-Arzneimittel und medizintechnische Produkte

Im Markt für Infusionstherapien und klinische Ernährung gewinnen angesichts des allgemeinen Kostendrucks in Mittel und Westeuropa solche Therapien an Bedeutung, die eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung bieten und gleichzeitig aus ökonomischen Gesichtspunkten vorteilhaft sind. Studien belegen, dass durch die Gabe von Nahrungssupplementen bei krankheits- und altersbedingter Mangelernährung Krankenhauskosten in Höhe von durchschnittlich 1.000 € pro Patient eingespart werden können – durch kürzere Liegezeiten und geringeren Pflegebedarf. Mindestens 25 % aller Patienten in Europa sind bei der Aufnahme in das Krankenhaus mangelernährt oder haben ein erhöhtes Risiko, eine Mangelernährung zu entwickeln. Wesentlich höhere Zahlen um 50 bis 60 % werden für Pflegebedürftige, besonders im Seniorenalter, angegeben. Die Kosten, die durch krankheitsbedingte Mangelernährung verursacht werden, liegen europaweit bei 170 Mrd € jährlich.

Das Wachstum des Marktes für Infusionstherapien und klinische Ernährung liegt in Mittel- und Westeuropa insgesamt im unteren einstelligen Prozentbereich. In den Wachstumsregionen Asien-Pazifik, Lateinamerika und Osteuropa liegen die Wachstumsraten im hohen einstelligen bis zweistelligen Prozentbereich.

Fresenius Kabi geht nach eigenen Erhebungen davon aus, dass sich das für sie relevante Marktvolumen für Infusionstherapien und klinische Ernährung (ohne USA und Japan) in einer Größenordnung von über 9 Mrd € bewegt.

Darüber hinaus erwarten wir, dass die Nachfrage nach generischen Arzneimitteln weiter steigen wird. Generische Arzneimittel sind aufgrund ihres deutlich geringeren Preises unter gesundheitsökonomischen Aspekten vorteilhafter als Originalpräparate und liefern schon heute einen unverzichtbaren Beitrag zur Sicherung der Gesundheitsversorgung: Allein in Deutschland entfielen im Durchschnitt über 85 % der Verordnungen des Jahres 2008 auf generische Arzneimittel.

Der Markt für generische I.V.-Arzneimittel ist grundsätzlich charakterisiert durch ein moderates Volumenwachstum, stetigen Preisrückgang und starken Wettbewerb. Zuwächse werden im Wesentlichen durch neue generische Produkte erzielt, die nach Ablauf des Patentschutzes des Originalpräparats in den Markt kommen. Das Wachstum des Marktes für generische I.V.-Arzneimittel bewegt sich in Europa im mittleren einstelligen Prozentbereich. In den USA liegt die Wachstumsrate bei circa 5 %. Wir erwarten, dass der Markt für I.V.-Arzneimittel, die zwischen 2009 und 2019 in den USA ihren Patentschutz verlieren, kumuliert circa 20 Mrd US$ betragen wird. Diese Werte basieren auf den Umsätzen der Originalpräparate im Jahr 2008 und enthalten nicht die für Generika üblichen Preisabschläge.

Nach eigenen Erhebungen geht Fresenius Kabi davon aus, dass sich das für sie relevante Marktvolumen für intravenös verabreichte generische Arzneimittel (ohne Japan) in einer Größenordnung von über 9 Mrd € bewegt.

Der Markt für medizintechnische Produkte im Bereich der Infusionstherapie, I.V.-Arzneimittel und klinischen Ernährung wächst in Europa im mittleren einstelligen Prozentbereich. Wachstumstreiber sind hier insbesondere technologische Innovationen, die die Sicherheit der Anwendung und die Effizienz der Therapie erhöhen.

Der deutsche Krankenhausmarkt

Im Jahr 2008 betrug das Gesamtvolumen der Krankenhausleistungen (ohne Forschung und Lehre) in Deutschland circa 70 Mrd € und damit etwa ein Viertel aller Gesamtausgaben im Gesundheitswesen. Rund 61 % der Krankenhauskosten sind Personalaufwendungen, 39 % sind Sachkosten. Die Personalkosten erhöhten sich um 3,4 %, die Sachkosten um 6,3 %.

Die Anzahl der Krankenhäuser hat sich in den letzten fünf Jahren um durchschnittlich 1,0 % p. a. auf 2.083 Einrichtungen im Jahr 2008 verringert, die Zahl der Betten ist jährlich um durchschnittlich 1,3 % auf 503.360 zurückgegangen. Dennoch liegt Deutschland mit 6,1 Betten je 1.000 Einwohner im Jahr 2008 immer noch weit über dem OECD-Durchschnitt von 3,8 (2007).

Die Verweildauer eines Patienten in einer Akutklinik (ohne psychiatrische Fachkliniken) hat bundesweit im gleichen Zeitraum um insgesamt 0,6 Tage abgenommen und lag im Jahr 2008 bei 8,1 Tagen.

Gestiegen sind hingegen die Fallzahl und die durchschnittlichen Kosten je Fall. Die Fallzahl in den deutschen Akutkliniken war nach der Einführung der DRG-basierten Vergütung zunächst rückläufig, da zum einen Fehlbelegungen abgebaut wurden und die Zahl ambulanter Behandlungen zunahm. Zum anderen erfolgten technische Änderungen in der Zählweise. Seit dem Jahr 2006 hat sich die Fallzahl wieder leicht erhöht und lag im Jahr 2008 bei 17,52 Millionen bzw. 213 Fällen pro 1.000 Einwohner. Das sind rund 341.000 bzw. 2,0 % mehr als im Jahr 2007. Andere Länder, wie die Schweiz mit 174 Fällen je 1.000 Einwohner, liegen deutlich unter diesem Wert. In den letzten fünf Jahren bis zum Jahr 2008 ist die Fallzahl in Deutschland um durchschnittlich 1,1 % p. a. gestiegen. Die durchschnittlichen Kosten je Fall sind mit 2,5 % im 5-Jahresdurchschnitt gestiegen.

Laut einer Umfrage des Deutschen Krankenhaus Instituts ist die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser in Deutschland weiterhin schwierig: Für das Jahr 2009 erwarteten nur noch 43,7 % der Krankenhäuser einen Jahresüberschuss (2008: 61,6 %), 26,5 % erwarteten ein ausgeglichenes Ergebnis (2008: 16,3 %) und 26,4 % (2008: 19,7 %) einen Jahresfehlbetrag. Ökonomisch betrachtet konnte sich der Krankenhaussektor im Jahr 2009 jedoch von der schlechten Konjunkturlage abkoppeln: Nur 12 % der Häuser gaben an, von der Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen zu sein.

Kennzahlen zur Stationären Versorgung in Deutschland


  2008 2007 2006 2005 2004 Veränderung
2008 / 2007
1 Nach Bruttogesamtkosten
Krankenhäuser 2.083 2.087 2.104 2.139 2.166 - 0,2 %
Betten 503.360 506.954 510.767 523.824 531.333 - 0,7 %
Betten je 1.000 Einwohner 6,13 6,16 6,20 6,35 6,44 - 0,5 %
Verweildauer (Tage) 8,1 8,3 8,5 8,7 8,7 - 2,4 %
Fälle (Mio) 17,52 17,18 16,83 16,54 16,80 2,0 %
Ø Kosten je Fall in € 1 4.146 4.028 3.932 3.813 3.756 2,9 %

  2008 2007 2006 2005 2004 Veränderung
2008 / 2007
1 Nach Bruttogesamtkosten
Krankenhäuser 2.083 2.087 2.104 2.139 2.166 - 0,2 %
Betten 503.360 506.954 510.767 523.824 531.333 - 0,7 %
Betten je 1.000 Einwohner 6,13 6,16 6,20 6,35 6,44 - 0,5 %
Verweildauer (Tage) 8,1 8,3 8,5 8,7 8,7 - 2,4 %
Fälle (Mio) 17,52 17,18 16,83 16,54 16,80 2,0 %
Ø Kosten je Fall in € 1 4.146 4.028 3.932 3.813 3.756 2,9 %

Die vielfach schwierige finanzielle und wirtschaftliche Situation der Kliniken geht einher mit einem steigenden Investitionsbedarf, der größtenteils auf einen Investitionsstau zurückzuführen ist. Dieser ist dadurch entstanden, dass die Bundesländer ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Finanzierung notwendiger Investitionen und größerer Instandhaltungsmaßnahmen in den vergangenen Jahren nicht ausreichend nachkamen. Zudem entsteht der Investitionsbedarf durch medizintechnischen Fortschritt und erhöhte Qualitätsanforderungen. Der jährliche Investitionsbedarf in den deutschen Kliniken wird derzeit auf rund 5 Mrd € geschätzt.

Vor diesem Hintergrund hat sich der Privatisierungstrend – wenn auch verhalten – im deutschen Krankenhausmarkt fortgesetzt: Der Anteil der Betten in privat geführten Krankenhäusern stieg im Jahr 2008 auf 15,9 % (2007: 15,6 %), in öffentlichen Häusern sank er hingegen auf 49,0 % (2007: 49,4 %).

Nach unseren Erhebungen lag das Umsatzvolumen aus Krankenhaustransaktionen im Jahr 2009 bei 504 Mio € (2008: 408 Mio €).

Das im März 2009 in Kraft getretene Krankenhausfinanzierungsreformgesetz (KHRG) hat sich auf die finanzielle Situation der Krankenhäuser grundsätzlich positiv ausgewirkt. Bundesweit gerechnet, wurden den Krankenhäusern im Jahr 2009 rund 3,55 Mrd €, also circa 7 % mehr Finanzmittel zur Verfügung gestellt als im Jahr 2008. Allerdings sind rund 1,5 Mrd € davon Beiträge, die in den Vorjahren gekürzt worden waren. So sind zu Beginn des Jahres 2009 der gesetzliche Rechnungsabzug in Höhe von 0,5 % zur Finanzierung der gesetzlichen Krankenkassen (Sanierungsbeitrag) entfallen sowie der bisher angewandte Rechnungsabschlag in Höhe von bis zu 1 % für Verträge aus integrierter Versorgung. Ergänzend hat sich der Bund an Zuweisungen für Investitionen aus dem Konjunkturpaket II beteiligt.

Weiterhin wurde im KHRG festgelegt, die Konvergenzphase zur endgültigen Einführung der Fallpauschalen um ein Jahr zu verlängern. Die Konvergenzphase endete zum 31. Dezember 2009. Die Krankenhäuser rechnen seitdem ausschließlich auf Basis der landesweit geltenden Basisfallwerte ab (Landesbasisfallwert).

Qualität ist zunehmend ein entscheidender Wettbewerbsfaktor im Krankenhausmarkt. Die Bedeutung von Transparenz und Vergleichbarkeit der Leistungen wird bei Patienten und ihren betreuenden Ärzten weiter zunehmen.

Der Rehabilitationsklinikmarkt in Deutschland umfasste im Jahr 2008 – wie auch im Jahr davor – insgesamt 1.239 Einrichtungen. Die Anzahl der Betten stieg gegenüber dem Jahr 2007 um 215 Betten auf 171.060. 56,3 % (2007: 57,0 %) aller Einrichtungen werden von privaten Trägern unterhalten, 26,0 % von freigemeinnützigen Trägern (2007: 25,3 %). Öffentliche Träger hatten einen Anteil von 17,8 % (2007: 17,7 %). Das Bettenangebot der Einrichtungen freigemeinnütziger und öffentlicher Träger lag bei 16,2 % (2007: 16,0 %) bzw. 16,9 % (2007: 16,9 %). In privaten Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen befanden sich 66,9 % (2007: 67,2 %) aller aufgestellten Betten. Die bundesweite Fallzahl stieg um 3,4 % auf rund 2,0 Millionen im Jahr 2008 (2007: 1,94 Millionen). Die Verweildauer ging auf 25,3 Tage zurück (2007: 25,5 Tage).

Der Markt für Engineering- und Dienstleistungen für Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen

Der Markt für Engineering- und Dienstleistungen für Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen ist von Land zu Land sehr unterschiedlich und in starkem Maße abhängig von Faktoren wie der staatlichen Gesundheitspolitik, dem Ausmaß der Regulierung, dem Grad der Privatisierung sowie wirtschaftlichen und demografischen Gegebenheiten.

In Märkten mit etablierten Gesundheitssystemen und zunehmendem Kostendruck stehen Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen vor allem vor der Herausforderung, ihre Effizienz zu steigern. Hier sind insbesondere optimierte Betriebsabläufe in den Krankenhäusern sowie die Übernahme medizintechnischer Dienstleistungen durch externe Spezialisten gefragt. Dies ermöglicht es den Krankenhäusern, sich auf ihre Kernkompetenz, die Behandlung von Patienten, zu konzentrieren. In den Schwellenländern stehen der Aufbau und die Weiterentwicklung der Infrastruktur im Vordergrund.

Quellen: Sachverständigenrat – Jahresgutachten 2009 / 10, Banken-Research, U.S. Bureau of Labor Statistics, Statistisches Bundesamt

Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. 2009, Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V., Statistics 2009

Statistisches Bundesamt, Deutsches Krankenhaus Institut – Krankenhaus-Barometer 2009, Bundesamt für Statistik (Schweiz) 2009, OEC D-Gesundheitsdaten 2009, Bundesärztekammer – Zunehmende Privatisierung von Krankenhäusern in Deutschland

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