Fresenius Medical Care

Fresenius Medical Care richtet seine Forschung- und Entwicklungsstrategie an drei wesentlichen Zielen aus: Wir wollen

  • mit innovativen Produkten und Behandlungskonzepten die Lebensqualität nierenkranker Patienten kontinuierlich verbessern,
  • unseren Kunden ein Leistungsportfolio auf höchstem Niveau und zu geringst möglichen Kosten bieten und
  • auf dieser Grundlage unsere Position als weltweit führendes Dialyseunternehmen weiter ausbauen

Im Jahr 2009 hat Fresenius Medical Care die Aktivitäten in strategischen Entwicklungsschwerpunkten ausgebaut – zum Beispiel auf dem Gebiet der Online-Hämodiafiltration (Online-HDF) und dem darauf aufbauenden Therapiesystem 5008. Im Mai 2009 konnten wir auf dem ERA / EDTA-Kongress (European Renal Association / European Dialysis and Transplant Association) eine weitere Innovation auf der Grundlage dieser Entwicklungsplattform vorstellen: die Mixed-HDF. Dieses Behandlungsverfahren – das derzeit wohl fortschrittlichste der Welt – ist eine neue Form der Online-HDF-Therapie. Es lässt sich durch eine komplexe neue Regelungstechnologie noch genauer an patientenindividuelle medizinische Bedürfnisse anpassen. Fresenius Medical Care hat die Mixed-HDF als erstes Unternehmen zur Marktreife gebracht. Wir sind davon überzeugt, dass diese Innovation weiter dazu beitragen wird, die Online-HDF als Behandlung der Wahl in der Nierenersatztherapie zu etablieren. Wir erwarten, dass wir dank der wegweisenden Technik einen klaren Marktvorteil erlangen werden. Wie das gesamte Therapiesystem 5008 arbeitet übrigens auch die Mixed-HDF besonders ressourcenschonend: Während der Behandlung benötigt das Gerät bis zu 30 % weniger Energie, Wasser und Konzentrat als die klassische Hämodialyse. Wegen ihres beachtlichen medizinischen Potenzials nutzt Fresenius Medical Care die Online-HDF als langfristige Innovationsplattform.

Auch im Bereich der Heimdialyse, ebenfalls eine strategische Entwicklungsplattform, haben wir im Jahr 2009 unser Portfolio weiterentwickelt. In den USA hatten wir im Jahr 2008 den Liberty Cycler, unser Therapiesystem für die Peritonealdialyse (PD) in Nordamerika eingeführt – mit großem Erfolg: Über 2.500 Patienten werden inzwischen damit behandelt. Unsere Strategie ist es, das System in Nordamerika weiter zu forcieren. Entsprechend haben wir den Liberty Cycler seit seiner Einführung kontinuierlich verbessert, zum Beispiel durch ein erweitertes Alarmsystem, um Anwendungsfehler zu vermeiden. Zudem haben wir die Software des Gerätes weiterentwickelt: Diese kann nun individuelle Behandlungseinstellungen und -ergebnisse des Patienten noch umfassender verarbeiten und an die betreuende Klinik übermitteln. Dort werden diese Daten regelmäßig überprüft, um die Behandlung bestmöglich auf den einzelnen Patienten einzustellen.

Die PD setzt als Verfahren der Heimdialyse eine hohe Eigenverantwortung des Patienten voraus, denn in der Regel führt dieser die Behandlung selbstständig durch. Entsprechend wichtig ist daher eine intensive Schulung zu Hygiene- und Sicherheitsfragen. Der Liberty Cycler ist in dieser Hinsicht ein besonders einfach zu bedienendes und sicheres Gerät dank der intuitiven Benutzeroberfläche und der leicht verständlichen Anleitung, die den Patienten über einen Bildschirm Schritt für Schritt bei der Einstellung des Gerätes begleitet. Um die Benutzerfreundlichkeit weiter zu erhöhen, arbeiten wir derzeit an einer neuen Hilfssoftware. Sie soll anhand kurzer Anleitungsfilme und Textinformationen noch anschaulicher vermitteln, wie das Gerät richtig angewendet wird und dem Patienten über ein Hilfsmenü auch während der Behandlung die Möglichkeit geben, Fragen zeitnah zu klären. Wir planen, diese neue Funktion im Jahr 2011 standardmäßig in das Gerät zu integrieren.

Ein weiterer Entwicklungsschwerpunkt ist das Diagnosegerät Body Composition Monitor (BCM), das wir im Jahr 2009 in weiteren Märkten erfolgreich eingeführt haben. Der BCM kann die Zusammensetzung des menschlichen Körpers und seiner Flüssigkeiten, d. h. Körperwasser, Fett und fettfreie Körpermasse, exakt messen. Diese Messung lässt Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand eines Menschen zu, etwa auf die Verfassung seiner Blutgefäße, und hilft dem Arzt zu ermitteln, inwieweit ein Patient an Überwässerung leidet. Eine solche Diagnose kann die Behandlungsqualität der Dialyse entscheidend verbessern, denn sowohl Herz- und Gefäßkrankheiten als auch Überwässerung sind häufige Begleiterscheinungen des chronischen Nierenleidens. Derzeit arbeiten wir daran, die Vorteile der BCM-Technologie, die bislang nur für die Behandlung von Hämodialysepatienten dokumentiert sind, für weitere Patientengruppen nutzbar zu machen. Erste Untersuchungen haben ergeben, dass auch Peritonealdialyse-Patienten von der regelmäßigen Ermittlung des Flüssigkeitshaushaltes und einer entsprechend abgestimmten Behandlung profitieren könnten. Eine weitere Patientengruppe, deren Behandlungsergebnisse durch den BCM verbessert werden können, sind Menschen, die an akutem Nierenversagen leiden.

Neben den Aktivitäten in unseren strategischen Schwerpunktgebieten hat Fresenius Medical Care auch die klassischen Hämodialyseprodukte weiterentwickelt und verbessert. Mit der 4008S classic etwa haben wir unser Portfolio um ein Hämodialysegerät ergänzt, das aufgrund seiner Grundausstattung auch bei einem begrenzten Budget eine sehr gute Behandlungsqualität sowie hohe Verlässlichkeit und Sicherheit bietet. Es soll durch seine Kosteneffizienz und einfache Bedienbarkeit noch mehr Patienten den Zugang zu einer hochwertigen Dialysebehandlung erleichtern, etwa in strukturell schwächeren Regionen.

Auch in den USA haben wir unsere Produktpalette noch besser an die Bedürfnisse unserer Patienten und Kunden angepasst. Wir sind damit zugleich für die geplante Einführung des neuen, qualitätsorientierten Pauschalvergütungssystems in der Dialyse sehr gut aufgestellt. Für die 2008T, eine neue Gerätegeneration der Hämodialyse-Serie 2008, haben wir im Berichtsjahr die Zulassung der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA (U.S. Food and Drug Administration) erhalten. Neben einer Verbesserung der Bedienbarkeit und Sicherheit und damit auch der Behandlungsleistung verfügt die 2008T als erstes Hämodialysegerät auf dem US-amerikanischen Markt über ein integriertes Computersystem, das klinische Behandlungsdaten automatisch erfasst. Die Vergütungsreform, die ab dem Jahr 2011 in Kraft treten wird, sieht unter anderem vor, dass eine Dialysebehandlung künftig festgelegte Qualitätskriterien erfüllen muss. Entsprechend vorteilhaft ist die automatisierte Erfassung der Behandlungsdaten, um den Erfolg der Behandlung messen und weiter verbessern zu können. Wir haben die neue 2008T auf der Jahreskonferenz der American Society of Nephrology in den USA vorgestellt und wollen das Gerät im Jahr 2010 auf den Markt bringen.

Ein wichtiger Partner der Fresenius Medical Care in der klinischen Forschung ist das Renal Research Institute (RRI). Es wurde im Jahr 1997 als Joint Venture von Fresenius Medical Care Nordamerika und dem Beth Israel Medical Center, einem Krankenhaus in New York, gegründet und ist als eine der führenden Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der Nierenheilkunde weithin anerkannt. Im Jahr 2009 forschte das RRI unter anderem weiter auf dem Gebiet der SORB-Technologie. Im Fokus dieses Projektes stehen sogenannte Adsorber, d. h. bestimmte Stoffe, die Giftstoffe in Flüssigkeiten an sich binden und auf diese Weise aus der Flüssigkeit entfernen können. So lässt sich mithilfe von Adsorbern etwa Dialyselösung wiederaufbereiten; diese nimmt während einer PD- oder HD-Behandlung die Giftstoffe auf, die aus dem Blut des Patienten gefiltert werden. Durch die Reinigung und anschließende Wiederverwertung der Dialyselösung mithilfe von Adsorbern kann die Wassermenge, die während einer Dialysebehandlung in der Regel benötigt wird, von 120 bis 200 Litern auf etwa sechs bis zehn Liter reduziert werden. Der innovativen Adsorbertechnologie kommt unter anderem im Rahmen unseres Projektes „tragbare Niere“ eine besondere Bedeutung zu, denn ein solches Gerät muss mit einer deutlich geringeren Menge an Flüssigkeit auskommen, wenn es leicht und klein genug sein soll, um am Körper getragen zu werden. Auch daran arbeiten wir. Weitere Forschungsprojekte des RRI beschäftigten sich mit der Lebensdauer roter Blutkörperchen im Zusammenhang mit Entzündungsprozessen im Körper und mit der Citrat-Antikoagulation, einem Verfahren, das alternativ oder ergänzend zum Wirkstoff Heparin zur Hemmung der Blutgerinnung eingesetzt werden kann. Eine vertiefte Kenntnis der Eigenschaften roter Blutkörperchen kann beispielsweise für eine gezieltere Behandlung von Dialysepatienten mit dem blutbildenden Mittel EPO (Erythropoetin) oder mit Eisenpräparaten von Vorteil sein.

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