Gesundheitssektor und Märkte

Der Gesundheitssektor wird auch weiterhin zu den weltweit bedeutendsten Wirtschaftszweigen zählen. Die Nachfrage insbesondere nach lebensrettenden und lebenserhaltenden Produkten und Dienstleistungen wird aufgrund ihrer medizinischen Notwendigkeit weiter anhalten.

Experten schätzen jedoch, dass ein anhaltender Konjunkturabschwung zu größerem Preisdruck und langsamerem Umsatzwachstum führen könnte, da die Regierungen – vor allem in den USA – die Ausgaben im Gesundheitswesen zu senken versuchen.

Bei allen Herausforderungen gehen Branchenbeobachter jedoch davon aus, dass der Sektor auch in nächster Zeit eine vergleichsweise solide finanzielle Entwicklung zeigen wird. Zudem dürften günstige demografische Entwicklungen sowie der wissenschaftliche Fortschritt und die große Zahl der noch schwer oder nicht heilbaren Krankheiten das Wachstum vorantreiben. Darüber hinaus sollten der Bedarf nach einer breiteren Grundversorgung und die zunehmende Nachfrage nach hochwertigen Therapien in den Schwellenländern auch weiterhin zu soliden Zuwachsraten führen.
Mittel- bis langfristig könnten jedoch Finanzmittel, die für Konjunkturprogramme zur Bewältigung der Finanz- und Wirtschaftskrise in anderen Branchen eingesetzt werden, im Gesundheitssektor fehlen.

DER DIALYSEMARKT

Wir erwarten, dass auch in den kommenden Jahren die Zahl der Dialysepatienten um etwa 6 % p. a. wachsen wird, wobei die zum Teil erheblichen regionalen Unterschiede unverändert bestehen bleiben dürften: Für die USA, Japan sowie Mittel- und Westeuropa rechnen wir angesichts der bereits relativ hohen Prävalenz mit einem leicht unterdurchschnittlichen Wachstum der Patientenzahlen. In vielen Entwicklungsländern jedoch ist der Bedarf längst noch nicht gedeckt. Hier erwarten wir eine überdurchschnittliche Zunahme der Patientenzahlen von bis zu 10 %, in einzelnen Ländern sogar noch darüber. Dieses Wachstum wird getrieben durch die sich stetig entwickelnden Gesundheitssysteme, die eine zunehmende Versorgung der Patienten gewährleisten. Die Tatsache, dass mehr als 80 % der Weltbevölkerung in vergleichsweise wirtschaftlich wachstumsstarken Ländern leben, macht deutlich, wie groß das Potenzial für das gesamte Spektrum der Dialysebehandlung und -produkte ist.

Wir gehen davon aus, dass sich der globale Dialysemarkt – unveränderte Wechselkursrelationen vorausgesetzt – im Jahr 2011 auf mehr als 70 Mrd US$ belaufen wird. Dies käme nahezu einer Verdopplung des Marktes innerhalb der letzten zehn Jahre gleich.

Unsere führende Marktposition bei den wichtigsten Produktgruppen, wie den Dialysatoren und Hämodialysegeräten, wollen wir auf dem sehr hohen Niveau halten bzw. weiter verbessern, wo dies möglich ist.

Im Januar 2011 wird in unserem größten Absatzmarkt – den USA – ein neues Pauschalvergütungssystem für staatlich versicherte Dialysepatienten (Medicare) eingeführt. Der entsprechende Gesetzentwurf wurde im Juli 2008 im „Medicare Improvements for Patients and Providers Act of 2008“ verabschiedet. Alle Produkte und Dienstleistungen, die gegenwärtig gemäß dem Basis-Erstattungssatz (der sogenannten Composite Rate) vergütet werden sowie bislang separat erstattete Leistungen wie die Verabreichung bestimmter Medikamente und die Durchführung von diagnostischen Labortests, werden künftig mit einem einzigen Pauschalbetrag erstattet. Dieser „gebündelte“ Erstattungssatz (bundled rate) wird an Merkmale der einzelnen Patienten, etwa Alter und Gewicht, angepasst. Angleichungen sind beispielsweise auch für solche Patienten vorgesehen, deren außergewöhnliche medizinisch notwendige Versorgung hohe Kosten nach sich zieht.

Ein weiteres besonderes Merkmal des neuen Erstattungssystems ist neben der Implementierung eines Inflationsausgleichs die Orientierung an bestimmten Qualitätsparametern. Beispielsweise wird für Dialysekliniken, die bestimmte Kriterien nicht erfüllen, der Erstattungssatz gekürzt. Qualitätsparameter sind unter anderem die Patientenzufriedenheit, die Steuerung des Hämoglobin-Gehalts des Blutes (Anämie-Management) und den Mineralstoffwechsel der Knochen.

Neben der bereits erfolgten Erhöhung des Basis-Erstattungssatzes im Jahr 2009, wird im Jahr 2010 eine weitere Erhöhung um 1 % erfolgen.

DER MARKT FÜR INFUSIONS- UND ERNÄHRUNGSTHERAPIEN, GENERISCHE I.V.-ARZNEIMITTEL UND MEDIZINTECHNISCHE PRODUKTE

Der Markt für Infusionstherapien und klinische Ernährung in Mittel- und Westeuropa wird in den kommenden Jahren voraussichtlich im unteren einstelligen Prozentbereich wachsen. Hohes Wachstumspotenzial bieten uns weiterhin die Regionen Asien-Pazifik – hier vor allem China – sowie Lateinamerika und Osteuropa. In diesen Regionen erwarten wir, dass sich das Marktwachstum im hohen einstelligen bis zweistelligen Prozentbereich fortsetzen wird.

Bei generischen I.V.-Arzneimitteln wird die Wachstumsdynamik auch weiterhin durch den Ablauf des Patentschutzes von Originalpräparaten getrieben. Gegenläufig wirkt der Preisrückgang bereits im Markt befindlicher Produkte. In Mittel- und Westeuropa gehen wir bei generischen I.V.-Arzneimitteln von einem mittleren einstelligen prozentualen Wachstum aus. In den USA liegt auch ein Augenmerk auf der Ausgestaltung der geplanten Gesundheitsreform. Vor dem Hintergrund der hohen Kosten des Reformwerks kann grundsätzlich erwartet werden, dass die US-Regierung die Verwendung kostengünstiger Generika vorantreiben wird, u. a. durch Anreizmechanismen und Initiativen zur Förderung des Kostenbewusstseins. Weiterhin soll den Herstellern generischer Produkte ein schnellerer Marktzugang ermöglicht werden. Demgegenüber zeichnet sich jedoch ab, dass die Pharmaindustrie zukünftig höhere Rabatte für gesetzlich Versicherte gewähren muss. Ferner wurde vorgeschlagen, die Vergütung der Krankenhäuser zu reduzieren, was in der Folge den Druck auf die Pharmaindustrie erhöhen könnte.

Insgesamt gehen wir aus heutiger Sicht davon aus, dass das Wachstum bei generischen I.V.-Arzneimitteln im Jahr 2010 in den USA im mittleren einstelligen Prozentbereich liegen wird, getrieben durch einige Patentabläufe von bedeutenden Originalpräparaten.

Auch auf dem Markt für medizintechnische Produkte sehen wir in den nächsten Jahren eine steigende Nachfrage.

DER DEUTSCHE KRANKENHAUSMARKT

Obwohl die Vergütungsregelungen im Wesentlichen gesetzlich vorgegeben sind, werden sich die deutschen Krankenhäuser nach einem grundsätzlich positiven Jahr 2009 den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2010 nicht völlig entziehen können. Experten gehen für das Jahr 2010 von einer steigenden Insolvenzgefahr bei den deutschen Krankenhäusern aus. Aufgrund der weiter verschlechterten finanziellen Lage der öffentlichen Hand wird eine Zunahme der Privatisierungsaktivitäten im Jahr 2010 erwartet.

Gerechnet wird mit geringeren Einnahmen der Krankenkassen sowie mit negativen Auswirkungen des im Jahr 2009 eingeführten Gesundheitsfonds, dem für das Jahr 2010 bereits ein Einnahmedefizit von 4 Mrd € prognostiziert wird. Auch die Finanzsituation der Kommunen, die in der Vergangenheit häufig Fehlbeträge aus dem laufenden Geschäftsbetrieb ihrer Krankenhäuser deckten und deren Investitionen mitfinanzierten, wird sich weiter verschärfen. Dies wird die finanziellen Möglichkeiten zur Unterstützung von defizitären Krankenhäusern und zu Investitionen in kommunale Gesundheitseinrichtungen weiter einschränken.

Eine weitere Herausforderung für die Krankenhäuser liegt auch in der Beschaffung von Investitionsmitteln. Durch den hohen Bedarf an Investitionsmitteln bei gleichzeitig zurückgehenden Fördergeldern steigt der Druck auf die Kliniken, Rationalisierungspotenziale konsequent zu nutzen.

Entscheidend für den Erfolg einzelner Krankenhäuser ist neben einer kosteneffizienten Organisation der Abläufe, einem gut strukturierten Behandlungsspektrum, qualifizierten Mitarbeitern vor allem hervorragende medizinische Qualität. HELIOS ist davon überzeugt, dass ein systematisches Qualitätsmanagement und eine medizinische Ergebnisqualität nicht nur als Marketinginstrumente dienen, sondern Teil des Krankenhausmanagements und somit auch der Vergütung werden sollten. Langfristig werden Initiativen erwartet, die die Einführung einer qualitätsabhängigen Vergütung (Payfor- Performance) vorsehen bzw. Krankenhäusern die Option eröffnen, Selektivverträge mit Krankenversicherungen zu schließen. Auf diese Entwicklung wäre HELIOS durch seine konsequente Ausrichtung auf Qualität und Transparenz bestens vorbereitet.
Insgesamt wird erwartet, dass die Privatisierung vor allem öffentlicher Krankenhäuser weiter zunimmt. Private Krankenhausketten und große Klinik-Verbünde können dem Druck zu mehr Wirtschaftlichkeit tendenziell besser begegnen als öffentliche Krankenhäuser. Sie verfügen oft über mehr Erfahrung hinsichtlich wirtschaftlich orientierten Handelns, über effiziente Strukturen und die Möglichkeit, Kostenvorteile im Einkauf zu erzielen. Auch haben private Betreiber meist mehr Erfahrung im Prozess-Know-how bei der Akquisition und Integration neuer Einrichtungen sowie einer raschen Anpassung ihrer Kostenstrukturen.

Bislang ist nicht erkennbar, dass es für Kliniken im deutschen Gesundheitsmarkt aufgrund des Regierungswechsels einschneidende Veränderungen in Hinblick auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Akut- und Rehabilitationsklinikenmarkt geben wird, da sich die politische Diskussion noch auf die Frage der langfristigen Finanzierung be schränkt. Angesichts der Verschlechterung der Einnahmesituation der Sozialleistungsträger, bedingt durch die Wirtschaftskrise und damit verbundener steigender Arbeitslosigkeit, bei gleichzeitiger Kostensteigerung im Gesundheitswesen, ist aber nicht auszuschließen, dass eine künftige Gesundheitsreform wieder den Schwerpunkt auf die Kostensenkung setzt.

In Deutschland gilt von Beginn des Jahres 2010 an die ausschließliche Abrechnung auf Basis der landesweiten Basisfallwerte (Landesbasisfallwert). Abzuwarten bleibt, wie Mehrleistungen, die Krankenhäuser über das Budget 2009 hinaus erbringen, mit den Krankenkassen verhandelt werden. In einem Zeitraum von fünf Jahren, beginnend im Jahr 2010, sollen die unterschiedlichen Landesbasisfallwerte dann schrittweise auf einen einheitlichen bundesweiten Basisfallwertkorridor angenähert werden.

Aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit dem DRG-System, der überdurchschnittlichen Fallzahlentwicklung sowie der nunmehr abgeschlossenen Konvergenzphase erwartet HELIOS jedoch keine grundlegenden Veränderungen in der Finanzierung ihrer Leistung.

Im Rahmen des Krankenhausfinanzierungsreformgesetzes (KHRG) sollen bis 2012 die Kriterien für eine Umstellung auf eine pauschalisierende Investitionsfinanzierung durch die Kostenträger erarbeitet werden. Damit wird den Ländern statt der bisherigen antragsbasierten Investitionsfinanzierung der Krankenhäuser eine Entscheidung für eine unternehmerisch orientierte Investitionsfinanzierung auf Grundlage leistungsorientierter Investitionspauschalen ermöglicht. Derzeit sind allerdings noch wesentliche Details offen, insbesondere die Ausgestaltung der Investitionspauschalen.

Für den Rehabilitationsbereich sind derzeit keine Konsequenzen aus gesetzlichen Änderungen zu erwarten. Gleichwohl wird der Preis- und Steuerungseinfluss durch die Kosten träger weiter zunehmen. Wir erwarten jedoch, dass wir infolge steigender Fallzahlen im Akutbereich und durch kontinuierliche Verbesserungen unseres Überleitungsmanagements unsere Potenziale aus der Verbindung zwischen Akut- und Reha-Versorgung besser nutzen und somit die Zahl der Fälle in unseren Rehabilitationskliniken steigern können.

DER MARKT FÜR ENGINEERING- UND DIENSTLEISTUNGEN FÜR KRANKENHÄUSER UND ANDERE GESUNDHEITSEINRICHTUNGEN

In den Industrieländern ist aufgrund der demografischen Entwicklung weiterhin mit einer steigenden Nachfrage an hochwertiger und effizienter medizinischer Versorgung und damit auch nach Engineering- und Dienstleistungen für Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen zu rechnen. Im Vordergrund stehen die Dienstleistungen, d. h. Wartung und Instandhaltung der Medizin- und Krankenhaustechnik, Facility Management, Technische Betriebsführung bis hin zur Gesamtbetriebsführung, sowie infrastrukturelle Prozessoptimierungen – insbesondere im Rahmen von Public-Private- Partnership-Modellen. Zusätzliche Wachstumschancen ergeben sich durch die Privatisierung des Gesundheitswesens. Diese Entwicklung ist insbesondere in Osteuropa zu beobachten.

In den Schwellenmärkten steigt die Nachfrage vor allem im Bereich Aufbau und Weiterentwicklung der Infrastruktur aber auch nach effizienter und bedarfsgerechter medizinischer Versorgung. Der Aufbau der primären Versorgung ist weitestgehend abgeschlossen. Daher gilt es in vielen Märkten den Ausbau der sekundären Ver sorgung voranzutreiben bzw. im Rahmen von „Centers of Excellence“ tertiäre Versorgungsstrukturen sowie Lehr- und Forschungsstrukturen zu schaffen. Insgesamt er warten wir, dass der Markt für Engineering- und Dienstleistungen für Krankenhäuser und andere Gesundheitseinrichtungen auch im Jahr 2010 wachsen wird.

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